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26. Januar 2010 | Lisa

Marcel Reich-Ranicki

Unterhaltsamer als er wird nie wieder jemand über deutsche Literatur urteilen. Mein erster Kontakt mit Marcel Reich-Ranicki datiert entsprechend zurück in den Deutsch-Leistungskurs am Gymnasium: “Lauter Verrisse” hiess ein Bändchen, das unser verehrter Oberstudienrat Kopplin empfahl, um unsere Rethorik zu schulen: “Besonders, wenn ihr jemanden negativ beurteilt, solltet ihr das in anständigen, gewählten, klugen Worten tun -  Reich-Ranicki möge da als Vorbild dienen.” Recht hatte er. Der damalige Feuilleton-Chef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte einen ausserordentlichen Ruf als Literaturkritiker - und sollte bald zur populären Fernsehfigur aufsteigen mit dem “Literarischen Quartett”. Als Reich, wie ihn seine Freunde nennen, vor gut zehn Jahren eine Autobiographie vorlegte, war somit klar, dass diese qualitativ, aber eben auch kommerziell neue Massstäbe setzen würde. “Mein Leben”, dass so tragisch-dramatisch beginnt wie das vieler jüdischer intellektueller Polen Anfang des 20. Jahrhunderts, nimmt nach den zweiten Weltkrieg einen wechselhaften, oftmals rasanten Verlauf. Erfüllter kann eine Biographie wohl nicht sein. Erfüllender selten auch Lektüre. Noch ein Buch Reich-Ranickis, von dem ich etwas gelernt habe: Über die Demut dem unentrinnbaren Schicksal gegenüber. Und über den unermüdlichen, offensiven Kampf gegen Literatur oder Musik - wenn sie denn schlecht ist und damit Zeitverschwendung.

 

Leseprobe: Marcel Reich-Ranicki “Mein Leben”, Seite 218/219 (doppelklicken Sie zur Lektüre)

 

 

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