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28. Februar 2010 | Martina

Karin&Sharon: Das Wesen des Tests

Karin hatte sich Ende letzten Jahres entschlossen, Am-Staff Sharon ein neues Zuhause zu geben. Und versprochen, mich per Mail auf dem Laufenden zu halten. Über das neue Leben mit Hund, in einem Kanton mit neuer Hundeverordnung. Neulich durfte Sharon zum Wesenstest antreten, denn Karin möchte ihn von der Maulkorbpflicht befreien lassen. Laut Karin hat er seine Sache sehr gut gemacht, das offizielle Ergebnis bekommen die beiden aber erst in ein paar Wochen. Wie aber läuft so ein Wesenstest eigentlich ab?

Hallo Martina

Du wolltest ja von mir wissen, wie das genau gegangen ist, mit Sharons Wesenstest. Also, stattgefunden hat das Ganze auf dem Gelände des Diensthundezentrums der Kantonspolizei Zürich in Dübendorf. Folgende Requisiten und Unterlagen musste ich zum Test mitbringen: einen amtlichen Ausweis (Pass, Identitätskarte oder Führerausweis), den Heimtier- oder Impfpass, ein Spielzeug, einen (gut sitzenden) Maulkorb sowie der Witterung angepasste Kleidung und Schuhwerk. Dazu noch ein bis eineinhalb Stunden Zeit, so lang dauern die Tests laut Vetamt in der Regel, und natürlich: Sharon. Was es für die Durchführung der Prüfung ebenfalls braucht, sind eine Menge Menschen. Als da in meinem Fall gewesen wären der Bezirkstierarzt und Gutachter Herr Weiss, Herr Buholzer vom Veterinäramt, dann noch eine Person, die den Wesenstest gefilmt hat sowie eine Be­gleitperson für mich, sie hatte die Aufgabe, mich durch den Test zu führen und ganz genau zu erklären was jeweils zu tun ist. (Ich durfte übrigens niemanden “zur moralisch-nervlichen Unterstützung” mitbringen, da ausgeschlossen sein soll, dass der Hund abgelenkt wird.) Ach ja, und auch noch dabei waren drei Statistinnen. Wie in einem Theaterstück oder Film spielen diese Statisten Rollen, z.B. einen gehbehinderten Menschen, einen Betrunkenen, einen Jogger oder eine Frau mit Kinderwagen. Im Test wird dann u.a. geprüft, wie der Hund auf diese alltäglichen Umweltreize reagiert.

Bevor es aber los geht mit der Prüfung, bekommt der Hund Lederhalsband und-leine angelegt (die Privatausstattung darf nicht getragen werden) und wird tierärztlich genau untersucht. Vorher wollte der Tierarzt von mir wissen, wie Sharon auf Untersuchungen durch eine fremde Person reagiert. Naja, hätte er Sharon gekannt, hätte er sich die Frage sparen können. Denn dieser Hund deutet jedes freundliche Anfassen als Auftakt zu einem ausgiebigen Kraulgelage. Das war auch in diesem Fall nicht anders, die Untersuchung verlief jedenfalls beidseitig sehr entspannt. Darauf folgte dann ein noch ein Frustrationstest, mit dem man testet, wie gut der Hund damit umgehen kann, dass er nicht das bekommt, was er will. Dazuwurde Sharon angebunden und von einer vor ihm knieenden Person mit Leckerlis gefüttert. Nach kurzer Zeit verweigerte die Futterquelle ihren Dienst, der Keks blieb auf Sharons Nasenhöhe in der geschlossenen Faust verborgen. Obs daran lag, dass er gut gefrühstückt hatte oder daran, dass ihr im Pfötli diese Situation mit ihm ja immer mal geübt habt: Sharon blieb jedenfalls locker, so als ob er wusste, dass der Keks früher, aber vermutlich eher später, aber in jedem Fall am Ende bei ihm landet.

Tja, und dann ging der eigentliche Wesenstest los, insgesamt 33 Situationen zu den Themen Hund-Mensch- und Hund-Umwelt-Kontakt sowie Gehorsam (wenns dich interessiert, hier mal die einzelnen Aufgaben in einer Kurzbeschreibung: wesensbeurteilung). Hierzu wurde auf dem Gelände mit Verkehrspillonen eine “Strasse” abgesteckt, auf der Hund und Halter so genannte Testgänge absolvieren mussten, auf denen sie z.B. dem “Betrunkenen” und dem “Jogger” begegnen. Bei zwei Übungen müssen die Hunde den Maulkorb tragen. Hier werden die Testhunde von den Statisten mit Anstarren, Schreien und einer aggressiven Körperhaltung konfrontiert, um zu sehen wie sie auf Bedrohung reagieren. Übrigens: Ich hatte dir doch geschrieben, dass Sharon eine Übung infolge akutem “Taubheitsanfall” versemmelt hat. Das war die Nr. 29: Der freilaufende Hund muss auf Signal kommen. (Dabei war die doch so einfach, eigentlich …).

Nach 50 Minuten hatte Sharon bereits alles hinter sich. Die Mitglieder der”Prüfungskommission” waren durch die Bank sehr freundlich und man hat mir alles sehr genau und gut erklärt. Nur eine Bemerkung zu Sharons Abschneiden war den Damen und Herren partout nicht zu entlocken, nicht der kleinste Hinweis. Nun ja, in zwei, drei Wochen werden wir wissen, ob der Maulkorb ausgedient hat.

Karin

Eine Antwort in “Karin&Sharon: Das Wesen des Tests”

  1. Prisca

    Vielen Dank für diesen Bericht. Erstaunlich was von unseren Hunden alles abverlangt wird, damit sie ein freies Leben führen dürfen..
    Ich drücke Karin und natürlich auch Sharon ganz fest die Daumen, dass sie den Test bestanden haben. Wir schauen auf jedenfall immer wieder gespannt auf diese Seite um das Testresultat zu erfahren..

    Ganz liebe Grüsse aus St.Gallen
    Prisca mit StaffBull Jack

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