24. August 2010 |
Lisa
Wir sind zurück aus den Ferien. Auf Salina waren wir, einer traumhaften Insel im tiefen Süden Italiens. Hin- und hergereist wie vor hundert Jahren, jeweils über drei Tage verteilt. Mit unserem alten Auto und zum Abschluss noch sieben Stunden mit dem Schnellboot ab Neapel. Statt direkt nach Sizilien zu fliegen, um von da aus in nur einer Stunde mit der Fähre überzusetzen. Alles, weil «wir» unseren Foxterrier Louis einschliesst. Und der fliegt nun mal nicht. Louis sorgt auch dafür, dass wir südlich der Alpen in vielen Restaurants unerwünscht sind und die Hotels, die uns aufnehmen, an einer Hand abzählen können: Genau einmal macht man den Fehler, abends nach langer Fahrt in Rom anzukommen und dort ein Hotel gebucht zu haben, dem man vorher nicht die Hundefrage gestellt hat!
Ebenfalls wegen Louis haben wir uns auf der Insel ein weit schickeres Ferienhaus geleistet als nötig. Weil es ab einer gewissen Preisklasse gleich viel entspannter zugeht mit den Prinzipien: «Certo, un piccolo canino, certo!» Und gerade wenn man sich fragt, ob es wirklich lohnt, diesen ganzen Mumpitz auf sich zu nehmen für jemanden, der sich zum Dank mit jedem Hund im Dorf anlegt, springt Louis mit der Nonchalance des Gewohnheitstiers in den Fussraum der Vespa. Und wir finden: Einen, der so bedingungslos jede krumme Tour mitmacht, den kann man einfach nicht zu Hause lassen!
Louis auf Reisen:
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8. Juni 2010 |
Lisa
Manchmal muss man ein bestimmtes Buch gar nicht finden, das Buch findet einen. Diese eher unscheinbare Biographie des in die Jahre gekommenen Australien-Exports Kylie Minogue lag eines Tages in der Kaffeküche der Annabelle. Hier landen die Bücher, die von der Literaturredaktorin aussortiert werden (darunter befinden sich echte Hits, die einfach keinen Platz mehr finden auf unseren Bücherseiten), aber auch solche Werke, die es beim letzten Zügeln irgendeines Kollegen nicht mehr in die neue Wohnung geschafft haben. Bücher, die es nicht wert waren, dauerhaft in eine persönliche Sammlung aufgenommen zu werden. Die man aber auch nicht ins Altpaper werfen mochte - wie etwas ein dreissig Jahre altes Geschichtsbuch aus der Kantonsschulzeit. So kam ich zu Kylie, The Biography. Ein leicht verfetztes Taschenbuch, das genau zum Zeitpunkt ihrer frischen Genese vom Brustkrebs endet. Ich habe es an einem Abend zuhause quer gelesen und am nächsten Tag wieder in die Küche gelegt. Ein unerhebliche, leicht geschwätziges Bändchen, das es auch in meine Büchersammlung nicht geschafft hat. Übrigens genauso erging es den CDs, die ich einst von dem süssen Popstar besass...
Leseprobe: "Kylie, the Biographie", seite 243, doppelklicken Sie zur Lektüre

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1. Mai 2010 |
Lisa
Bestimmte historische Figuren rücken in Abständen näher, um dann wieder aus dem Gesichtsfeld zu verschwinden - so hatte ich plötzlich Lust, eine Biographie über Königin Luise von Preussen zu lesen, ohne einen wirklichen Grund. Das schmale, reichlich bebilderte Buch von Hanne Bahra kam mir da gerade recht - mehr Energie und Zeit sollte diese Lese-Laune nicht kosten. Der Untertitel "Von der Provinzprinzessin zum preussischen Mythos" erklärt bereits, warum die Legenden um Luise dem modernem Adelskult um Silvia, Diana, Mary oder Laetitia nicht unähnlich ist: Eine junge Frau, beinahe "eine von uns", wird zur Prinzessin. In Luises Fall darüber hinaus Star in einer noch jungen Medienszene. Und politisch interessant durch ihre BEgenungen mit französischen Kaisern und russischen Zaren. Ich habe das Buch in Sprüngen gelesen, war besonders fasziniert von Luises Rolle als Modevorbild - haben wir sogenannten modernen Menschen denn gar nichts erfunden? Nicht einmal den Kult um den Style der Stars??
Leseprobe: "Königin Luise" von Hanne Bahra, Seite 67, doppelklicken Sie zur Lektüre

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21. April 2010 |
Lisa
Wer hat das nicht: eine Kindheitsfreundin. Engste Vertraute in einer Lebensphase, die prägender ist als die meisten anderen. Nicht selten verliert man sich nach der Schule aus den Augen, beginnt Ausbildungen in verschiedenen Städten, lebt irgendwann völlig unvereinbare Leben, wundert sich bei seltenen Klassentreffen über die andere: die war mir mal wichtig? Seltener bleibt etwas, kann man im erwachsenen Leben noch immer etwas anfangen miteinander. Im vorliegenden Fall macht sich die eine Freundin auf, die andere wieder zu finden - einfach weil ihr deren Lebensentwurf so fremd vorkommt, so nicht vereinbar mit der Person, die doch einmal so nah war, so ähnlich. "Meine Freundin, die Nonne" macht dann auch schon auf dem Buchdeckel deutlich, wie gegesätzlich diese beiden Frauen auf das Leben schauen. Wir sehen eine Nonne in der klassischen Kleidung ihres grieschisch-orthodoxen Ordens. Und wir sehen eine andere Frau in betont heller, lässiger Strassenkleidung. Im Buch macht sich die Autorin Ilka Piepgras auf, die Biographie ihrer Freundin Charlotte nach zu erzählen, die jetzt Diodora heisst und auf einer abgelegenen Insel in Griechenland als Äbtissin gleich mehreren Klostern vorsteht. Man reist mit, versucht wie die Autorin auch, dem Weg nachzuspüren, den die ehemalige Kunststudentin eingeschlagen hat, vor nun beinahe zwanzig Jahren. Die leise, unaufgeregte Suche nach der Identität der anderen führt auch zur Infragestellung der eigenen - das geht von einem bestimmten Zeitpunkt auch den Lesern so. Ein faszinierendes Gedankenspiel, vielleicht sogar mehr.
Leseprobe "Meine Freundin, die Nonne", Seite 184, doppelklicken Sie zur Lektüre

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23. März 2010 |
Lisa
Wer nur den Sound im Ohr hat von "Good, good, good, good Vibrations" oder "Barbarbar-Barbara-Ann", der wird nicht glauben, welche Abgründe das Leben von Ober -Beach-Boy Brian Wilson begleiten. Diese Band, die in den Sechzigerjahren so berühmt war wie die Beatles, schlug sich herum mit Drogen und Irrsinn, frühem Aufstieg und tiefem Fall, unglaublichem Talent und dem verschwenderischen Umgang damit. Diese magischen Songs, die  von Wellen erzählen, die an den Strand schlagen, von Küssen auf Auto-Rücksitzen, von Parties am Meer und in leeren Swimmingpools, wurden zum Soundtrack des Erwachsenwerdens von mindestens drei Generationen. "Catch a  Wave" - The Rise, Fall & Redemption of the Beach Boys' Brian Wilson" von Peter Ames Carlin lohnt die Lektüre vor allem, wenn man sich für Musik interessiert - denn die wird hier ernster genommen als in jedem anderen Buch über die Kalifornier. Zu Recht!!
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Leseprobe "Catch a Wave - The Rise, Fall & Redemption of the Beach Boys' Brian Wilson",       Seite 95, doppelklicken Sie zur Lektüre  Â

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19. März 2010 |
Lisa
Was waren das nur für Zeiten!!! Schauspielerinnen hatten Affären ohne Ende - als wären Männer nichts weiter als ein Paar neue Schuhe. Schauspieler waren schwul oder bisexuell und heirateten dennoch einen Star nach dem anderen. Kinder wurde geboren oder abgetrieben, adoptiert oder zu Pflegefamilien gegeben. Filme wurden nicht selten im Wochenrythmus gedreht. Und das Nachtleben von Los Angeles war noch wild und endete nicht selten im  Morgengrauen mit der Fahrt direkt zurück zum aktuellen Filmset. Mitten drin: Lana Turner. Dank ihrer engen Pullis wurde das "Sweater-Girl" im Hollywood der Vierzigerjahre rasch berühmt, ihre acht Ehen und unzähligen Liebhaber machten sie parallel zu den zunehmend interessanteren Film-Rollen zum Liebling der Klatschpresse. Ein langes Leben, in dem neben Ruhm und verlorener Ehre auch Inzest, Mord und Totschlag vorkommen - filmreif. "Lana - The Life and Loves of Lana Turner" bietet ausreichend Lesestoff für alle, die immer noch glauben, Lindsay Lohan oder Britney Spears seien dei wahren "Bad Girls".
Leseprobe, "Lana - the Life and Loves of Lana Turner", Seite 65, doppelklicken Sie zur Lektüre

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26. Februar 2010 |
Lisa

Dies Buch nennt sich Roman, wohl weil es als Schlüsselroman behandelt werden will – und ist doch nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein kleines Stück Autobiografie. Jedenfalls soweit ich das beurteilen kann, und ich kann es, obwohl ich den Autor praktisch nicht kenne. Andreas Bernard war Teil der «Jetzt»-Redaktion. Und die wiederum kannte ich eine Zeitlang ganz gut. Dieses Jugendmagazin, das in den Neunzigern einige Jahre der Süddeutschen Zeitung beilag, hatte vor allem unter Journalisten einen hohen Kultfaktor, wurde rasch zur Legende (wohl auch wegen seines frühen Todes) und hob nie so weit ab, dass es hätte fliegen können. Sprich: Die kommerzielle Seite war ein Flop, Die beiden wichtigeren Köpfe der Redaktion modifizierten das Konzept nach der Einstellung hin zu einem flugtauglichen monatlichen Magazin, das am Kiosk rasch erfolgreich wurde, Anzeigen generieren konnte und inzwischen sogar einen Ableger für junge Familien hervorgebracht hat. Seit letztem Herbst gibt es neben «Neon», dem zentralen Organ der urbanen deutschen Jugend, auch noch «Nido», das sich vor allem um den Hipster-Faktor in Zeiten der Kleinfamilie sorgt – und schon wieder ein Erfolg zu werden scheint. Zurück zum eher unerheblichen Mitglied der ehemaligen Jetzt-Redaktion, der als Tobias Lehnert zum Protagonisten der Redaktion eines Magazins namens «Vorn» wird. Bernard unterhält offenbar eine schwärmerische Liebe für diese Phase seiner Adoleszenz. Und hat das Gefühl, seine ehemaligen Arbeitskollegen und ihre Welt bieten Stoff genug, um auch fiktional etwas herzumachen. Mir macht es grosse Freude, alte Freunde mit kaum verschlüsselten Namen wiederaufleben zu sehen, die Abende im Schumann's, die Einschätzungen von auf der Hüfte sitzenden Hosen und Pferdeschwänzen sowie Sneakers einer Marke namens New Balance. Und dann, als man das sehr ansehnlich gestaltete Buch schon fast aus der Hand legen will, passiert etwas: unser Held gerät in eine Identitätskrise und die beschreibt er so einfühlsam und gleichzeitig unpathetisch, dass sie auf Anhieb Gültigkeit und Berechtigung erlangt. Lesenswert, grossartig, ehrlich.
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Leseprobe "Vorn" von Andreas Bernard, Seiten 82/83, doppelklicken Sie zur Lektüre

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22. Februar 2010 |
Lisa
Vom Tode Gianni Versaces erfuhr ich aus dem Autoradio: eine Sondermeldung am frühen Nachmittag des 15. Juli 1997. Der Designer sei von einem Irren vor seinem Haus in Miami niedergeschossen worden, ein Tod, der normale Sterbliche instant zu Legenden werden lässt. John Lennon. John F. Kennedy. Und jetzt eben Gianni Versace. Ich fuhr an den Strassenrand und steckte mir eine Zigarette an. Seltsam nah ging mir dieses Attentat, dabei gehörte ich nicht mal zu den Verehrern des italienischen Designers. Aber mit ihm ging eine Ära zu Ende, das spürte man. Die Ära des ungezügelten, wilden Lifestyles, der sexuellen Ausschweifungen, der hysterischen Supermodels, der Diven und der Drogen. "House of Versace" heisst dieses neue Buch von Deborah Ball und verspricht im Untertitel Mord und Totschlag, Genie und Wahnsinn – und die Hintergründe in Sachen Überlebenskunst eines Clans aus Kalabrien, der auszog, die Modewelt zu erobern. Schwester Donatella, die heute den kreativen Bereich leitet, Bruder Santo, seit je der geschäftliche Kopf und Denker des Unternehmens – und nicht zuletzt die Nichte Allegra, Tochter Donatellas, die Gianni zur Alleinerbin seines Imperiums machte. Jeder Name ein Mysterium. Dazu ein Netz aus Vertrauten und Mitarbeitern, Geliebten und Gefeuerten, die bereitwillig mitstricken an den Legenden um diese Familie. Deborah Wall, einer gestandenen "Wallstreet Journal"-Journalistin, merkt man den Spass an der Recherche an, und ihre Begeisterung überträgt sich auf den Leser: Werden wir je wieder so unschuldig unmoralisch sein wie in den Achtziger- und Neunzigerjahren? Wohl eher nicht. Irgendwie schade.
Leseprobe "The House of Versace" von Deborah Ball, Seite 132/133, doppelklicken Sie zur Lektüre

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16. Februar 2010 |
Lisa
Natalie Wood hat man schon beinahe vergessen. Als ihr Leben am Thanksgiving Wochenende 1981 endet, gleicht das einer Filmszene. Sie hat den Tag zusammen mit Ehemann Robert Wagner und ihrem aktuellen Filmpartner (und mindestens Flirt) Christopher Walken auf ihrer Yacht "Splendour" verbracht, beim Abendessen gbit es reichlich Rotwein und - wie so oft - Streit. Wagner ist rasend eifersüchtig auf den jüngeren Walken, mit dem seine Frau unbedingt nach New York gehen will, Theater spielen. Als die Situation zu eskalieren droht, verabschiedet sich Wood angeblich, um schlafen zu gehen. Als man ihre Leiche in den frühen Morgenstunden aus dem Meer vor der kalifornischen Küste birgt, überschlagen sich  Spekulationen über den tatsächlichen Hergang - schon Stunden später geben Kollegen und Hausangestellte bereitwillig ihre Sicht der Dinge vor laufender Kamera zu Protokoll. Liz Taylor eilt zum Trost des Witwers herbei, auch Rock Hudson, obwohl frisch am Herzen operiert. Wenn sie jetzt noch nicht neugierig sind: lassen Sie's. Aber dann verpassen sie eine Hollywood-Biographie, wie sie exemplarischer selten zu lesen ist. Mein Tipp: schauen Sie sich parallel "Rebel Without a Cause" an. Oder die Verfilmung der "Westside-Story" oder eben "Splendor in The Grass". Dieser schwermütige Film liess Natalie Wood nie wirklich los. Bis an ihr Ende, zwanzig Jahre später, auf einem Boot gleichen Namens.
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Leseprobe, "Natalie Wood - A Life" von Gavin Lambert, Seite 89, doppelklicken Sie zur Lektüre

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10. Februar 2010 |
Lisa
Seine Beziehung zu Annette Bening dauert jetzt etwa so lange wie meine zu meinem Mann - also beinahe zwanzig Jahre. Ich weiss das so genau, weil ich bei der Premiere von "Bugsy" sehr, sehr frisch verliebt war...  Dennoch fällt einem zu Warren Beatty wohl für immer als erstes die ungalubliche Zahl ein von Frauen, mit denen er geschlafen haben soll: "12,775", schätzt Peter Biskind, der Autor dieser brandneuen Biographie - "mehr oder weniger, nicht mitgerechnet die unzähligen anonymen Quickies, Küsse und so weiter...". Nichts ist verführerischer als der Mythos des Liebhabers ohne Grenzen - so scheint es. Biskind bemüht sich denn auch der Frage "How Warren Beatty Seduced America" (so der Untertitel) auf den Grund zu gehen - ohne wirklich eine Lösung anbieten zu können. Wenn man im Detail liest, wes Geistes Kind einzelne Affairen und auch so genannte grosse Lieben waren, dann kann man die Attraktion nicht ganz nachvollziehen. Bening jedenfalls machte er zu Mutter seiner vier Kinder, nachdem klar war, die Tochter republikanischer Eltern bringt die richtigen Gene mit und ist eben dazu bereit, als Nummer 12.776 in die Liebes-Analen des Herrn Beatty einzugehen. Ich habe das Buch gern gelesen, weil ich alles von Peter Biskind gern lese (er ist Redakteur von Vanity Fair und Autor verschiedene Bücher aus der Filmwelt) und auch hier wieder auf meine Kosten komme: Sauber recherchiert, viele Details aus guten Quellen, viel Hintergrund und kluge Einschätzungen. Allein die Affäre mit Madonna könnte ein weiteres Buch füllen..
Leseprobe "Star - How Warren Beatty Seduced America", Seite 409, doppelklicken Sie zur Lektüre

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